Erfolgreicher Auftakt für die AsF in Plüderhausen - Pressestimmen

Veröffentlicht am 09.03.2015 in Veranstaltungen

Leni Breymeier

Am Montag vergangener Woche konnten die Initiatorinnen der Plüderhäuser AsF erfreulich viele Besucherinnen im Sitzungssaal des Rathauses begrüßen. Wie BM Schaffer im Grußwort sagte: es ist selten so viel Frauen-Power dort anzutreffen. Leni Breymaier, ver.di-Landesbezirksletierin, konnte auch als Vorstandsmitglied der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg kompetent und umfassend informieren. Sie erklärte zunächst, wie die Renten berechnet werden und zeigte auf, dass deshalb ein geringer Verdienst immer zu einer geringen Rente führt. Die Renten von Frauen liegen deshalb im Durschnitt fast um die Hälfte niedriger als die der Männer. Ein Viertel der Frauen bekommt sogar weniger als 300 Euro im Monat und ist deshalb auf die Grundsicherung angewiesen, wenn keine anderen Einkünfte vorhanden sind. Die Rente mit 63 ohne Abschlagszahlung nach 45 Versicherungsjahren erreichen Frauen so gut wie nie. Trotz allem ist die Absicherung der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland besser als in den Ländern, in denen nur eine private Alterssicherung existiert: die Anzahl der Rentnerhaushalte, die weniger als 50% des Durschnittseinkommens zur Verfügung haben, liegt in Deutschland bei maximal 10%, in den USA müssen 42% der alleinstehenden Rentnerinnen damit auskommen, in Großbritannien sogar fast 53%. Der größte Feind einer auskömmlichen Rente für Frauen ist das Ehegattensplitting und die daraus resultierende Steuerklasse V bei Teilzeitarbeit. Dadurch werden die Abzüge so hoch, dass währen der Arbeitsjahre kaum mehr übrig bleibt als bei einem Minijob. Die Quittung bekommt frau dann als Rentnerin. Deshalb ist der wichtigste Rat für alle Frauen, sich nicht in Teilzeitarbeit oder Minijobs abdrängen zu lassen, und den politischen Kampf nicht aufzugeben. Denn es ist nicht die Zahl der Jungen im Verhältnis zu Alten, die für die Finanzierung der Rente ausschlaggebend ist, sondern die Zahl der Beschäftigten zu den Rentnern. Im Jahr 2014 waren nur 52% der 18-65jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

 

Text aus dem Plüderhäuser Blättle Nr.10, 5. März 2015

 

Hungerlohn ergibt Hungerrente

Altersvorsorge für Frauen war das Thema beim Vortrag der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Plüderhausen

Von unserem Redaktionsmitglied
Christian Siekmann

Plüderhausen.

Der Sitzungssaal im Rathaus war am Montagabend fest in weiblicher Hand. Kein Wunder. Die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Frauen (AsF) Plüderhausen hatte eingeladen, um über die Altersvorsorge von Frauen zu sprechen. Referentin war Leni Breymaier, Landesbezirksleiterin von Verdi in Baden-Württemberg und SPD-Politikerin. Ihr Thema „Frauen leben länger – aber wovon?“

Die AsF startet mit „einem Paukenschlag“, sagte Bürgermeister Andreas Schaffer in seinem Grußwort. Mit diesem Thema habe man „einen Nerv getroffen“. Das derzeitige Zinstief mache die Menschen nachdenklich, wie sie für das Alter vorsorgen können. Leni Breymaier und einige Zuhörerinnen schimpften auf die 450-Euro-Jobs, aus denen keine ausreichenden Ansprüche auf die Altersversorgung in der gesetzlichen Rentenversicherung entstünden. Gerade in diesen geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten überwiegend Frauen. Sie ärgerten sich, dass frauentypische Berufe schlechter bezahlt werden als männertypische Berufe. „Manche gehen in Rente und kriegen einen erbärmlichen Betrag.“ Schade, dass unter den gut 20 Zuhörerinnen kaum junge Frauen waren, denn um sie ging es insbesondere. Breymaier berichtete, was Rentenpunkte sind, die sich vorwiegend am jeweiligen Gehalt orientieren. Ihre einfache Rechnung: Ein Hungerlohn ergibt auch eine Hungerrente. Die Gründe unter anderem: Minijobs, Teilzeitarbeit, die in sehr vielen Fällen unfreiwillig sei, und Ehegattensplitting, das sich negativ auf die Berufstätigkeit von Frauen auswirke. Was Deutschland brauche, seien altersgerechte Arbeitsbedingungen, lebenslanges Lernen und Gesundheitsprävention, und das nicht, um eine gute Arbeitnehmerin zu sein, sondern um ein gutes Leben zu haben!
Breymaier kritisierte die private Altersvorsorge, „sie taugt derzeit nicht zur Altersvorsorge. Das ist eine Gelddruckmaschine für die private Rentenversicherung. Unfassbar!“ Die dritte Säule der Vorsorge, die betriebliche Rente, sei in vielen Fällen viel zu gering. Ihr Vorschlag: die Riester-Rente auslaufen lassen und damit die gesetzliche Rente stärken, indem das Rentenniveau erhöht wird. „Die private Vorsorge ist nicht demografiefester als die gesetzliche.“ In den Medien werde der Konflikt Alte gegen Junge geschürt. Das sei „die größte aller Lügen! Die Frage ist, wie viele Leute arbeiten und was sie verdienen“, denn die Arbeitsproduktivität steige. „Entscheidend ist: Kriegen die Arbeitnehmer genug von dem ab, was erwirtschaftet wird?“ Die privaten Vermögen in Deutschland steigen rasant an, so Breymaier. „Wir müssen über Verteilung reden. Die, die richtig viel Geld verdienen, müssen sich an der Finanzierung beteiligen.“ Die Gewerkschafterin setzt sich dafür ein, dass Angestellte, Beamte, Selbstständige und Freiberufler alle in das gleiche System einzahlen.

Erziehungsbedingte Teilzeitarbeit und andere Faktoren

Einige Faktoren beeinflussen das Erwerbsleben und die Rente von Frauen. Wie wirken sich Betreuungsnotwendigkeit und Kinder aus? Breymaier sprach von „erziehungsbedingter Teilzeitarbeit“. Nach der Kindererziehung komme für viele Frauen die Pflege der Eltern. Vollzeitarbeit für Frauen sei damit erschwert, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Ihre Forderung: Die Lohnquote muss erhöht werden. Warum kriegen Arbeiter mehr Geld, die acht Kilo Stahl tragen, als Frauen, die sich um zappelnden Nachwuchs kümmern? Entscheidend für die Altersvorsorge von Frauen sei, dass sie erwerbstätig sind, damit sie in die Rentenkasse einzahlen. Doch sobald das erste Kind da sei, machten Frauen zwei Drittel der unbezahlten Arbeit. Sie präsentierte eine Statistik von 2011 (Deutsche Rentenversicherung Bund), nach der bloß 0,6 Prozent der Frauen mehr als 1500 Euro Rente erhalten, dagegen aber jede vierte Frau weniger als 300 Euro und rund 27 Prozent zwischen 300 und 600 Euro bekommen. Wer für einen Stundenlohn von zehn Euro arbeitet, müsse 53 Jahre einzahlen, um eine Nettorente von 850 Euro zu erhalten, rechnete sie vor. 82 Prozent der Führungspositionen seien in Männerhand. Frauen, die führen, haben meist keine Kinder und auch sonst keine Notwendigkeit, aus dem Erwerb auszusteigen. „Die machen anderen Frauen ein schlechtes Gewissen und verfälschen die durchschnittliche Frauenrente“, sagte sie. Dass sie zu dieser „Kaste“ gehört, habe auch viel mit Glück zu tun, sagte die kinderlose 54-Jährige offen. Sie will kein schlechtes Gewissen machen, sondern aufklären.

Leni Breymaier: 450-Euro-Jobs gehören abgeschafft

Eine Besucherin setzte sich dafür ein, dass Pflegezeiten mehr in die Rente einfließen müssen. Unterschiedliche Gehälter zwischen Männern und Frauen sollten vom Gesetzgeber beseitigt werden. Eine Besucherin wetterte gegen 450-Euro-Jobs. Die gehören abgeschafft, findet auch Leni Breymaier. Also konzentrierte sich die Diskussion auf die (politischen) Rahmenbedingungen. Viele Frauen könnten eben nicht Vollzeit arbeiten, sondern würden zu Teilzeitarbeit gezwungen. Es sei immer noch ein großes Problem für Frauen, Kinder unterzubringen, gerade für jene, die im Drei-Schicht-System arbeiten, äußerte sich eine  Krankenschwester. Sie hat eine Idee: Warum könnten Frauen nicht in guten Jahren Überstunden ansammeln und dann früher abschlagsfrei in Rente gehen? Eine Zuhörerin forderte einen Arbeitsmarkt für Rentnerinnen. Da gebe es außer Enkeln, Ehrenamt und Pflege gar nichts. „Es gibt Frauen, die würden gerne noch arbeiten.“ Eine andere Teilnehmerin sagte, Frauen müssten für das Thema Altersvorsorge sensibilisiert werden. Männer auch, ergänzte eine Zuhörerin. 

Kochen

  • „Wir wollen in Plüderhausen mehr frauenpolitische Themen auf die Tagesordnung setzen“, kündigte Ulrike Bildstein von der AsF an. Um das Thema Pflege soll es bald gehen.
  • Vorher, am 17. März, wird allerdings international gekocht. Es soll einen türkisch-schwäbischen Rezeptaustausch geben.

 

Text aus den Schorndorfer Nachrichten vom Mittwoch, 25. Februar 2015

 
 

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